Saisonrückblick 2024-2025

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Saisonrückblick 2024/2025

Die letzten Sommerpausen des SV Waldhof hatten seit Jahren unter den Sportchefs Jochen Kientz und Tim Schork eines gemeinsam: Das Thema Neuzugänge ging schleppend voran. Die Fans wurden nervös und es ging mit einem Rumpfaufgebot in die Saisonvorbereitung. Seit Anthony Loviso in der Verantwortung stand, war plötzlich alles anders. Am 19.6.2024 – also noch vor dem Start der Sommer-Vorbereitung – wurde bereits der neunte Neuzugang vorgestellt.

Auch im Sponsoring wurde Gas gegeben. Anders als im Vorjahr gab es mit der Plaza-Hotel-Gruppe einen Rückensponsor und bereits vor dem ersten Punktspiel präsentierte sich Galeria Kaufhof als Hauptsponsor für die nächsten beiden Jahre. Als „ein Deal mit Signalwirkung“ wurde der Coup bewertet - Waldhof-Präsident Bernd Beetz zahlte die Sponsoring-Leistung für das klamme Unternehmen wohl aus der eigenen Tasche.

Im Juni 2024 wurde bekannt, dass bzgl. Nachwuchsleistungszentrum ein neuer Anlauf genommen wird. Dazu sollen die Leistungsteams U17, U19 und U21 an die Spielbetriebs-GmbH angeschlossen werden, welche die Kosten in Höhe von ca. EUR 200.000 übernimmt. Der SV Waldhof hat dementsprechend auch die ruhende Lizenzierung zum Nachwuchsleistungszentrum wieder aktiviert.

Das – wie üblich positiv bewertete - Trainingslager in Österreich bildete dann die Grundlage für den Saisonstart. Zu diesem waren auch einige Sponsoren eingeladen. Noch vor dem ersten Punktspiel wurde auch der Vertrag mit dem ehemaligen Trainer Rüdiger Rehm aufgelöst.

Optimismus machte sich im Umfeld breit, der jedoch nach zwei Auftaktniederlagen und einer katastrophalen zweiten Halbzeit im Heimspiel gegen Viktoria Köln einen Dämpfer erhielt. „Kein Tri-Tra-Trullala mehr“ lautete eine Schlagzeile und Marco Antwerpen zog im Training die Zügel an. Anfang September ging der SVW als Schlusslicht mit nur einem Punkt in die Länderspielpause.

Es folgte eine peinliche Pokalschlappe gegen den Landesligisten VfR Gommersdorf und nach dem Unentschieden in Rostock wurde Trainer Antwerpen freigestellt – nach Christian Neidhart und Rüdiger Rehm der dritte Trainer, für den eine Abfindung fällig wird. Schon einen Tag später gab der Verein die Rückholung des damaligen Aufstiegshelden Bernhard Trares bekannt.

Trares stablisierte das Team und man hatte den Eindruck, dass wieder mit mehr Freude gekickt wird. Es blieb jedoch die Schwäche im Kreativzentrum, wo niemand dauerhaft überzeugen konnte. Teils glückliche Punktgewinne führten zu Platz 10 nach dem elften Spieltag.

Ein Rückfall in alte Zeiten war die erste Halbzeit bei der Auswärtsniederlage beim VfB Stuttgart II. Zuvor wurde durch einen nachlässigen Auftritt auch schon in Unterhaching versäumt, einen Dreier einzufahren und so rückte nach der unglücklichen Heimniederlage gegen den Aufsteiger und Tabellenführer aus Cottbus die Abstiegsränge schon wieder in bedrohliche Nähe. Das Spielglück wendete sich und gute Leistungen – kombiniert mit Schiedsrichter-Fehlentscheidungen und mangelnder Effektivität im Angriff – wurden lediglich mit einem einzigen Punkt gegen Arminia Bielefeld belohnt. „Ich habe noch nie ein anderes Ziel gehabt, als über dem Strich zu bleiben“ bekundete Trares. “[1] Mit drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge ging es in die Winterpause. Im Halbjahreszeugnis des „Mannheimer Morgen“ erhielten lediglich Bartels, Rieckmann, Sietan und Boyd die Note 2.

In der Mitgliederversammlung wird Bernd Beetz als Präsident des SV Waldhof Mannheim wiedergewählt. Nachdem Horst Seyfferle und Matthias Findeisen nicht mehr für den Vorstand kandidierten, besteht dieser neben Beetz aus Bastian Geiser (Bereich Finanzen), Bernd Helfmann (Abteilungen), Birgit Loewer-Hirsch (Schule, Integration) und Vizepräsident Tobias Schmidt. Der Zuschuss des Präsidenten zum GmbH-Etat stieg im zurückliegenden Geschäftsjahr von 2,7 auf 4,6 Millionen Euro.

Angesichts der hohen Zuschüsse macht Bernd Beetz wieder auf das Stadionthema aufmerksam. Das Carl-Benz-Stadion bietet derzeit keine Möglichkeiten, über neue VIP-Bereiche mehr Geld zu generieren. „Wir verlieren Stück für Stück Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Beetz Ende Oktober. „Ich bin bereit, das weiter zu schultern, aber auch meine Geduld ist endlich.“ “[2] Möglich erscheinen entweder ein Neubau auf dem Großparkplatz P20 am Flughafen oder eine Modernisierung des Carl-Benz-Stadions.

Nach einem halben Jahr schied Vertriebschef Christopher Körner wieder beim SV Waldhof aus. Er war für die Suche und Betreuung von Sponsoren verantwortlich. Geschäftsführerin Jennifer Schmidt äußerte sich nicht zu den Gründen und wollte „niemanden schlechtmachen“.[3]

Mitte Dezember unterschrieb Marco Antwerpen beim VfL Osnabrück, was den Waldhöfer Etat ordentlich entlastete. Daraufhin wurde bekannt, dass Ausschau nach einem offensiven Mittelfeldspieler gehalten wird. Nach der schweren Verletzung von Terrence Boyd wurde auch ein Mittelstürmer gesucht.

Zur Weihnachtszeit zeigte der SV Waldhof sein gesellschaftliches Engagement. Zum zweitenmal nach 2019 wurde – zusammen mit Lions-Club und den Kirchen - das Stadionsingen veranstaltet. Jennifer Schäfer war außerdem im Kaufhaus Galeria bei der Geschenkübergabe durch die Aktion „Wir wollen helfen“ dabei. Dort ist auch die „Waldhof-Welt“ angesiedelt, nachdem der Laden in den Planken aus Kostengründen aufgegeben wurde.

Im Februar spitzte sich die sportliche Lage zu. Nach einer Serie von 8 Spielen ohne Sieg rutschte der SVW unter den Abstiegs-Strich und die Presse stellte „klassische Symptome eines Absteigers“ fest.[4] 10 Punkte aus fünf Spielen brachten die Blau-Schwarzen dann nach dem Heimsieg gegen Sandhausen wieder „über den Strich“, aber da auch die anderen Abstiegskandidaten regelmäßig punkteten, blieb es im Tabellenkeller eng.

Vor dem Saisonendspurt tauchte ein unnötiges Thema auf: Der Mitte April auslaufende Vertrag von Sportchef Loviso war nicht verlängert worden, wodurch Spekulationen um seine Zukunft aufkamen. „Hält Christian Beetz den amtierenden Sportchef bis kurz vor Vertragsende bei der Stange, bis ein Nachfolger zugesagt hat, den man dann sofort präsentieren kann?“[5] spekulierte der „Mannheimer Morgen“. Anfang April wurde dann der Abschied von Loviso und die Verpflichtung von Gerhard Zuber und Mathias Schober für die sportliche Leitung verkündet. „… gehört beim SV Waldhof offenbar zu einem größer angelegten Umbau in der sportlichen Führung und einer Abkehr von der Strategie, das Sportgeschäft mit Eigengewächsen wie dem ehemaligen Chefscout Loviso bewerkstelligen zu wollen“ analysierte die Presse. ?“[6] Als nahezu erste Amtshandlung entließ Zuber nach der frustrierenden Heimniederlage gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten SpVgg Unterhaching den Trainer Bernhard Trares und ersetze ihn durch den unerfahrenen Dominik Glawogger, der nach 6 Spielen die A-Jugend von Jahn Regensburg übernehmen wird. Diese Aktion dürfte in ganz Fußball-Deutschland für Verwunderung gesorgt haben.

Bei der deutlichen Heimniederlage gegen 1860 München brachte Glawogger fünf neue Spieler in die Startformation, testete eine 3er-Kette, die Antwerpen wegen unpassender Spieler verworfen hatte und verhalf dem lange unberücksichtigten (und von der Beratungsagentur Tenet betreuten) Martin Kobylanski zu einem weiteren Einsatz. Spätestens danach rumorte es gewaltig. „Glawogger wird von der Düsseldorfer Agentur Tenet Football beraten, mit deren Besitzer Yilmaz Sanli auch Zuber seit seinen Schalker Tagen befreundet sein soll“ ?“[7] berichtete die Presse.

Nach dem zweiten Unentschieden unter dem neuen Trainer – diesmal gegen die Reserve des VfB Stuttgart – sank die Zuversicht unter den Fans, da das Waldhöfer Restprogramm wesentlich schwieriger aussah als das der punktgleichen Schwaben. Diese beiden Clubs schienen den vierten Absteiger unter sich auszumachen. Dann folgten jedoch Siege gegen die Spitzenmannschaften aus Cottbus und Dresden, sodass sich der Waldhof trotz einer Auswärtsniederlage in Bielefeld am letzten Spieltag retten konnte. Die Saison hatte noch einen halbwegs versöhnlichen Abschluss gefunden.

„Der letzte Warnschuss“ kommentierte der „Mannheimer Morgen“, benannte Defizite und mahnte Veränderungen an. „Ungesunden Strukturen an der Spitze der Spielbetriebs-GmbH“ ?“[8] müssten verbessert werden und Aufsichtsratschef Christian Beetz soll sich auf die Kontrollfunktion beschränken. Eine weitere Verbesserung der Infrastruktur und ein auskömmlichen Etat für ein modernes Nachwuchsleistungszentrum werden als notwendig erachtet, um einen Absturz zu vermeiden.

Immerhin wurden die Abwehrprobleme großteils abgestellt. Slapstick-Gegentore und haarsträubende individuelle Fehler, wie in den letzten beiden Spielzeiten, sah man nur noch selten. Nach 65 Gegentoren in der Saison 2022/2023 und 60 Gegentreffern in der Saison 2023/24 kassierte der Waldhof diesmal nur noch 45 Tore. Das ist der viertbeste Wert in der 3. Liga. Jedoch fehlten "im zentralen Mannschaftsteil ... Tempo, Dynamik, Torgefahr und – bis zur Verpflichtung von Winterzugang Arianit Ferati – auch die Kreativität."[9] Nur 43 mal brachte der Waldhof den Ball im gegnerischen Tor unter - der zweitschwächste Wert der 3. Liga.

In der Spielzeit gab es einen Schnitt von 12.979 Zuschauern. Ein neuer Rekord fürs Carl-Benz-Stadion. Dazu trugen auch ein wenig zweimal 10.000 Freikarten bei, die zu den beiden Spielen verteilt und von Sponsoren bezahlt wurden. Der bisherige Rekord datierte aus der Zweitliga-Spielzeit 94/95, der Premierensaison im CBS, damals waren es 12.441.

Einzelnachweise

  1. 0:1 gegen Cottbus: Zum Fest droht SV Waldhof ein Abstiegsplatz mannheimer-morgen.de vom 8.12.2024, abgerufen am 9. Dezember 2024
  2. der SV Waldhof auf verlorene Jahre zurückblickt mannheimer-morgen.de vom 31.12.2024, abgerufen am 31. Dezember 2024
  3. Mitarbeiter verlässt überraschend Waldhof Mannheim mannheimer-morgen.de vom 4.12.2024, abgerufen am 4. Dezember 2024
  4. Im freien Fall: SV Waldhof zeigt klassische Symptome eines Absteigers mannheimer-morgen.de vom 9.2.2025, abgerufen am 10. Februar 2025
  5. Querelen beim SV Waldhof: Weiter mit Loviso oder doch ein neuer Sportchef? mannheimer-morgen.de vom 3.4.2025, abgerufen am 3. April 2025
  6. Loviso-Aus beim SV Waldhof bestätigt - wer wird der Nachfolger? mannheimer-morgen.de vom 8.4.2025, abgerufen am 9. April 2025
  7. Ex-Sportchef Kientz kritisiert Waldhof-Führung: „So bekommst du keine Kontinuität rein“ mannheimer-morgen.de vom 14.4.2025, abgerufen am 15. April 2025
  8. SV Waldhof rettet sich vor dem Abstieg: Der letzte Warnschuss mannheimer-morgen.de vom 17.5.2025, abgerufen am 19. Mai 2025
  9. Saison-Analyse mannheimer-morgen.de vom 23.5.2025, abgerufen am 25. Mai 2025