SVWII-Brühl 31.05.09
Trainer der U 23 greift sportliche Führung der Waldhöfer an / Nur 1:1 gegen den FV Brühl
Walter Pradt platzt der Kragen
Von Roland Bode
Walter Pradt war nach dem Schlusspfiff richtig sauer - weniger auf die von ihm trainierten Landesligaspieler der SV Waldhof II, als vielmehr auf die sportliche Führung im Verein. Gegen den abstiegsbedrohten FV Brühl reichte es für die U 23 der Blau-Schwarzen am Alsenweg nur zu einem 1:1 (0:0). Bitter: Da auch Liga-Primus FCA Walldorf zu Hause gegen die SpVgg Ketsch nicht über 1:1 hinauskam, haben die verlorenen Punkte den SVW nicht nur die mögliche Tabellenführung, sondern am vorletzten Spieltag vielleicht schon den direkten Aufstieg in die Verbandsliga gekostet.
"Jetzt kommt die Personalpolitik des Klubs in den letzten Wochen zum Tragen. Seit langem bin ich am Reden. Offensichtlich wird der direkte Aufstieg nicht gewünscht", klagte Pradt. Er meinte damit die hohe Belastung einiger Leistungsträger im Team, die von Cheftrainer Alexander Conrad wegen der Personalnot im Regionalliga-Team kontinuierlich nach oben geholt wurden.
"Das Team ist kaputt" Norbert Kirschner, Ergün Pakel, Ali Özgün, Marc Socher, Nicolas Jüllich, der Hans Kyei, der sogar noch in der A-Jugend spielt, wurden zuletzt im schlauchenden "Doppelschicht-Betrieb" gefordert: "Die Jungs sind in der entscheidenden Phase der Saison einfach platt. Das Team ist kaputt, da fehlt die Kraft. Zu mehr sind wir im Moment nicht in der Lage", ließ das SVW-Urgestein seinem Frust freien Lauf. Zu den 90 Minuten gegen den Nachbarschaftsrivalen merkte er an: "Brühl hat mit Mann und Maus verteidigt - und das ordentlich. Beim Gegentor haben wir uns dumm angestellt. Genügend Chancen für uns waren da. Aber wir haben die Lücke nicht gefunden."
Die in weiß angetretenen Blau-Schwarzen gaben von Beginn an die Schlagzahl vor. Pradt-Kollege Dennis Mackert, selbst 13 Jahre beim SVW aktiv, hatte seine Brühler Elf gut eingestellt: "Wir wollten auf gar keinen Fall eine so hohe Niederlage wie beim 1:6 im Hinspiel. Deshalb war die Vorgabe, hinten so lange wie möglich die Null zu halten und auf Konter zu lauern." Diese Rechnung ging auf. Die von Pradt angesprochene Problematik war nicht zu übersehen. Der Waldhof hatte zwar ein optisches Übergewicht, allerdings agierte er viel zu behäbig und ohne zündende Ideen. Nachdem Özgün (11.), Kyei (25.), Pakel (36./40.) und Inguanta (41.) in Hälfte eins beste Möglichkeiten verpassten, besorgte Ali Özgün nach dem Wechsel nach schöner Einzelaktion die überfällige Führung (69.) Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Dennis Simon nutzte die Unordnung in der SVW-Abwehr zum Ausgleich. Mit einem strammen halbhohen Schuss ins kurze Eck traf er zum Ausgleich (73.).
Enttäuscht war auch Ergün Pakel. Für sich selbst zog er dennoch ein positives Saisonfazit: "Ich habe mich unter Walter Pradt weiterentwickelt. Bei ihm muss ich mich bedanken", meinte der Youngster, der zwei Minuten vor dem Abpfiff per Freistoß die letzte Chance besaß. Die Entscheidung im Meisterschaftsrennen ist damit um eine Woche verschoben. Der SVW muss am nächsten Samstag (17 Uhr) in Ziegelhausen/Peterstal gewinnen und hoffen, dass Walldorf in Weinheim verliert.
Mannheimer Morgen 02. Juni 2009