Pressebericht 19-08-08
Zuwenig Einsatzkräfte bei Ausschreitungen am Rande des Waldhof-Spiels
Polizei völlig überrascht von heftiger Brutalität
Bei künftigen Spielen des SV Waldhof wird die Polizei "der Lage angepasst, aber sicher konsequenter auftreten." Das erklärte gestern Polizeipräsident Gerhard Klotter, nachdem es am Freitagabend in Neuostheim zu Ausschreitungen gekommen war. "Für diese Eskalation hatten wir schlicht und einfach zuwenig Kräfte, sodass die Lage nicht souverän beherrscht werden konnte", räumte er im Gespräch mit dem "MM" ein.
Für die Bundesliga-Spiele von Hoffenheim, die - erstmals am kommenden Samstag - im nächsten Halbjahr ebenfalls im Carl-Benz-Stadion ausgetragen werden, "planen wir ohnehin ganz anders", so Klotter. Dafür erhält die Mannheimer Polizei regelmäßig Verstärkung durch auswärtige Kräfte.
"Völlig unproblematisch"? Die Begegnung mit München habe man aber als "völlig unproblematisch gesehen": "Wir sind von dem Ausmaß der Gewalt überrascht worden", so der Präsident. Dass es entsprechende Warnungen des SV Waldhof-Präsidenten Mario Nöll gegeben habe, bestritt Klotter. In drei Gesprächen mit ihm sei es nur um die Spiele in Kassel und gegen Darmstadt gegangen, "1860 München war kein Thema".
Nach Angaben von Klotter handelte es sich insbesondere um 60 - meist stark alkoholisierte - Personen aus dem Umfeld der Waldhof-Hooligans, die auf die Beamten losgingen. Das habe es in dieser Form seit zehn Jahren nicht gegeben. "Wir richteten unsere Kräfte bislang danach aus, wie problematisch die Gäste-Fans sind, das wird es so nun sicher nicht mehr geben", kündigte Klotter an. Zugleich forderte der Polizeipräsident vom SV Waldhof, dass er den Sicherheitsdienst innerhalb des Stadions deutlich verstärkt: "Dort ist nämlich primär der Verein selbst verantwortlich."
Zwar habe es "eine Fülle von Straftaten" gegeben, aber konkrete Anzeigen liegen noch keine vor: "Wir haben alle Kräfte gebraucht für die Lagebereinigung", musste Klotter gestern eingestehen. Man hoffe aber nun, aufgrund von Bildern "die Täter dingfest zu machen" und wegen Landfriedensbruch anzeigen zu können, sagte er.
In und um das Stadion waren rund 60 Beamte im Einsatz - zusammengezogene Kräfte aus den Revieren, keine Spezialisten für Großeinsätze. Die Reiterstaffel war nicht im Dienst, da sie am Sonntag in Karlsruhe gebraucht wurde; Hundeführer kamen erst, als die Ausschreitungen begannen. "Die Gewalt ist plötzlich explodiert, das war nicht vorhersehbar. Wir mussten dann ständig von einem Brennpunkt zum anderen verlegen", so ein am Freitag eingesetzter Beamter. Mehrere Helme seien durch Steinwürfe kaputt gegangen. Um richtig in die Offensive und mit Schlagstöcken auf die Täter losgehen zu können, sei die Mannschaft viel zu klein gewesen.
"Der Personalansatz war sicher viel zu gering, aber eigentlich nicht zu kritisieren", erklärte Personalratsvorsitzender Egon Manz. Zwar gebe es "generell zuwenig Personal", aber "mit dieser Gewalt gegen unsere Beamten hat man bisher nicht rechnen müssen, wir wurden respektiert", so Manz: "Das war eine ganz neue Qualität".
Personalrat: "Null Toleranz" Er erwarte nun vom Präsidium "deutliche Signale" und eine "strikte Linie der Null Toleranz". "Einige Kollegen seien "regelrecht geschockt über das Ausmaß der Gewalt und darüber, dass man die Täter nicht unmittelbar ausschalten konnte". Er erwarte, dass "das Präsidium alles tut, damit das nicht mehr vorkommt", bekräftigte Manz.
Quelle: Mannheimer Morgen 19. August 2008