Walter Jens

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Walter Jens (* 8. März 1923 in Hamburg) ist ein deutscher Philologe, Literaturhistoriker, Kritiker, Hochschullehrer und Schriftsteller.

Leben

Von 1933 an besuchte Jens das angesehene Hamburger Johanneum; anschließend studierte er bis Kriegsende Germanistik und Klassische Philologie, zunächst ebenfalls in seiner Heimatstadt Hamburg. Wegen seines schweren Asthmaleidens blieb er von einem Kriegseinsatz verschont. Während des Dritten Reiches war Jens Mitglied in der Hitlerjugend und im NS-Studentenbund. Im Jahre 2003 wurde außerdem bekannt, dass er seit dem 1. September 1942 als Mitglied der NSDAP geführt wurde. Walter Jens behauptet, er sei damals nicht selbst in die NSDAP eingetreten, hätte auch keine Antrag gestellt und auch nicht Kenntnis davon gehabt, daß er als Mitglied geführt wurde. Damals seien ganze Jahrgänge automatisch aus der Hitlerjugend in die NSDAP überstellt worden. Diese Darstellung wird von vielen Kritikern angezweifelt.

Jens promovierte 1944 in Freiburg über die sophokleische Tragödie und wurde 1949 im Alter von 26 Jahren mit der Arbeit „Tacitus und die Freiheit“ an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen habilitiert. Jens ist Mitglied im Akademischen Turnbund.

1950 nahm er den Ruf auf einen Lehrstuhl für Klassische Philologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen an.

Ab 1950 gehörte Jens zur „Gruppe 47“ und in diesem Jahr gelang ihm auch der Durchbruch als Erzähler mit dem Roman „Nein. Die Welt der Angeklagten“.

Ein Kennzeichen seines literarischen Werkes ist es, durch Rückgriffe auf Probleme der Vergangenheit das aktuelle Geschehen zu interpretieren.

1963 bis 1988 hatte Walter Jens den bundesweit ersten Lehrstuhl für Allgemeine Rhetorik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen inne, der eigens, um ihn in Tübingen halten zu können, für ihn eingerichtet worden war. Unter dem Pseudonym Momos verfasste er für die Wochenzeitung „Die Zeit“ Fernsehkritiken.

1976 bis 1982 war Walter Jens der Präsident des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland.

Walter Jens wird von Freunden und Bewunderern als melancholischer Weltweiser, aber radikaler Demokrat zeitlebens, und Verkörperung einer selten gewordenen moralische Instanz beschrieben. Widerstand war für Jens stets auch eine demokratische Pflicht, er wollte sich direkt und persönlich ohne Umwege einmischen. So thematisierte und kritisierte er so ziemlich alles, was in der Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg problematisch erschien.

Jens setzte sich das ganze Leben lang für seine politischen Standpunkte ein und versteckte so auch während des zweiten Golfkriegs 1990 in seinem Haus desertierte US-Soldaten. Er ist Mitglied im Beirat der Humanistischen Union und Mitherausgeber der politisch-wissenschaftlichen Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik.

Eine andere Karriere des Walter Jens sollte nicht unerwähnt bleiben: die des Fußball-Torhüters beim Eimsbütteler TV in der Gauliga Nordmark (höchste Spielklasse) in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Eimsbütteler TV war zu dieser Zeit einer der erfolgreichsten Vereine Norddeutschlands und wurde zwischen 1934 und 1942 fünfmal Meister der Gauliga Nordmark.

Auszeichnungen

Werke

  • Nein. Die Welt der Angeklagten. 1950, Roman
  • Der Blinde. 1951, Erzählung
  • Vergessene Gesichter 1952, Roman
  • Der Mann, der nicht alt werden wollte. 1955, Roman
  • Das Testament des Odysseus. 1957, Erzählung
  • Statt einer Literaturgeschichte. 1957, Essay
  • Deutsche Literatur der Gegenwart. 1961
  • Herr Meister. Dialog über einen Roman. 1963
  • Die rote Rosa. 1966, Fernsehspiel
  • Der tödliche Schlag. 1974
  • Der Fall Judas. 1975, Erzählung
  • Republikanische Reden. 1976
  • Der Untergang. 1983
  • Die Friedensfrau. 1986, Drama
  • Aus gegebenem Anlass. Texte einer Dienstzeit. 1998, Reden in der Akademie der Künste zu Berlin
  • Bericht über Hattington
  • Die drei frauen von der tankstelle EB106 M.Z
  • Eine deutsche Universität (mit Inge Jens). 2004
  • Frau Thomas Mann (mit Inge Jens). 2003

Weblinks

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