VfR-SVW140804
Zwei Mal Berisha, Rot für Ferhatovic
Nur 3600 Zuschauer wollten die beiden besten Mannschaften sehen, die Mannheim zu bieten hat. Der VfR nahm im Stadtderby nach zehn Minuten das Heft in die Hand, die größte Chance hatten allerdings die Waldhöfer, als Olck eine Walter-Hereingabe aus fünf Metern neben das Tor setzte (29.). "Wir haben gehofft, über den Kampf etwas reißen zu können", erkannte auch SVW-Präsidiumsmitglied Rainer Spagerer die spielerische Überlegenheit der Blau-Weiß-Roten an, die nach einem Foulelfmeter kurz vor der Pause verdient in Führung gingen. Waldecker hatte Berisha gelegt, Mouktar verwandelte sicher (39.). Und als wenig später die Hintermannschaft des SVW den Ball nicht wegbekam, zog Berisha trocken ab, Keeper Ferhatovic war bei diesem abgefälschten Schuss machtlos - 2:0 (43.).
Die Waldhöfer Bemühungen nach der Pause erhielten einen Dämpfer, als Ferhatovic nach einem Handspiel außerhalb des Strafraums - Klaus hatte ihn in Bedrängnis gebracht - vom Platz musste. Höchststrafe für den SVW, denn Berisha verwandelte auch noch den fälligen Freistoß (56.) und avancierte somit zum Mann des Tages. In Unterzahl verlagerten sich die Blau-Schwarzen auf Schadensbegrenzung und kamen nach einer zehnminütigen Unterbrechung - einige Waldhof-Fans warfen Pappbecher aufs Feld und rollten peinliche Banderolen aus - immerhin durch Rubios verwandelten Foulelfmeter (84.) zum Anschlusstreffer. Der VfR hatte es zuvor versäumt, das Ergebnis noch in die Höhe zu schrauben. "Ein Erfolg, der uns alle nach vorn bringt", jubelte VfR-Coach Gernot Jüllich, nachdem er die Glückwünsche seines Gegenübers Eugen Hach ("Ein verdienter Sieg") entgegen genommen hatte. tet
SV Waldhof: Ferhatovic - Klaus (56. Todericiu), Schuster, Leitz, Mackert - Walter (63. Schwall), Szabo (63. Asaeda), Zeller, Waldecker - Olck, Rubio-Sánchez.
© Mannheimer Morgen - 16.08.2004
Waldhof schämt sich für einige Fans
FUSSBALL-OBERLIGA: Präsident Bremme kündigt Nachspiel an / VfR auf historischem Tabellenplatz
Von Terence Träber
Das Ergebnis des Derbys und die derzeitigen Tabellenplätze von VfR und Waldhof sorgen vorläufig für eine neue Hackordnung im Mannheimer Fußball. Nach dem 3:1 (2:0)-Erfolg im 135. Stadtduell rangieren die Rasenspieler in der Oberliga Baden-Württemberg auf dem achten Rang, der SV Waldhof ist sogar auf den letzten Platz abgerutscht. Damit steht der VfR erstmals seit 31 Jahren in einer Liga-Tabelle wieder über den Blau-Schwarzen. "Entscheidend ist, wer am Schluss oben steht", sagte SVW-Sportdirektor Maurizio Gaudino, der bis zum Monatsende noch weitere Verstärkungen ankündigte.
Noch aber dürfte VfR-Coach Gernot Jüllich mit seiner Aussage Recht haben, dass der VfR derzeit acht von zehn Vergleichen gewinnen würde. Dabei hatten auch die Rasenspieler vor der Saison noch mit Geldproblemen zu kämpfen, nur die Erfolge im BFV-Pokal, als der VfR das Finale erreichte, hielten die Blau-Weiß-Roten über Wasser. Deshalb richtete Jüllich im VIP-Raum nach der Partie auch einen flammenden Appell an alle Fußball-Anhänger, den Verein tatkräftiger zu unterstützen. Große Sprünge kann auch der SVW nicht machen. "Ich muss jetzt die Backe hinhalten, und das klatscht ganz schön", sagte SVW-Coach Eugen Hach. "Aber wir müssen nunmal diesen Weg gehen, auch wenn er steinig und schwer ist." Ein oder zwei Verstärkungen will er vor dem Transferschluss am 31. August noch an Land ziehen.
Pfiffe erntete Hach, als er, auf die Fan-Randale angesprochen, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen von VfR-Seite anprangern wollte. SVW-Präsident Hans Joachim Bremme kündigte Konsequenzen an, stellte sich aber auch schützend vor seinen Coach, schließlich sei die Atmosphäre vor dem Derby unnötig aufgeheizt worden. Wie das eben bei Derbys so ist, da gibt es ganz andere Kaliber. Hochgekocht hin oder her: Freunde werden der VfR und der SVW sicher nicht. Wollen und müssen sie auch gar nicht, der Leidtragende ist aber der neutrale Fußball-Anhänger, weil sich beide Klubs gegenseitig das Wasser abgraben. In punkto Spieler hat der VfR jedenfalls die Nase vorn, einen wie (Waldhofs Ex) Yahaya Mallam - der eine Partie in die Hand nehmen und Fäden ziehen kann - hatte der SVW schon lange nicht mehr.
Unsere Redaktion erreichten gestern Briefe beschämter Waldhof-Fans, die sich stellvertretend für alle, die die Randale am Samstag verurteilen, auf diesem Weg entschuldigen möchten. Nun ist die Vereinsführung gefragt. Denn sportlich hinkt der Klub dem VfR bereits hinterher. Was bleibt, ist die Stellung als Nummer 1 in der Mannheimer Zuschauergunst. Noch.
© Mannheimer Morgen - 16.08.2004
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