Spiegelfabrik

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Erhaltene Wohnzeile der Spiegelkolonie; Straßenseite
Erhaltene Wohnzeile der Spiegelkolonie; Gartenseite mit Laubengang

Die Spiegelfabrik auf dem Waldhof/Luzenberg erhielt ihren Namen aufgrund ihrer Lage in diesem Stadtteil. Ursprünglich war der Waldhof bis 1840 ein kleines Industriegebiet.

Am 11. Juni 1853 wurde die Spiegelfabrik als Zweigniederlassung der renommierten Manufaktur des Glasses zu St. Gobain mit dem Sitz in Paris gegründet. Sie befand sich auf dem ehemaligen Gutshof Waldhof und orientierte sich an französischen Vorbildern. Die "Vereinigten Glaswerke" betrieben die Spiegelfabrik im Werk Mannheim Waldhof, wo sie Spiegel- und Gussglas herstellten. An das Werk war die Spiegelkolonie angeschlossen, eine Wohnsiedlung für die Beschäftigten. Mit der Zeit entwickelte sich der Waldhof um das Werk herum zu einem eigenständigen Stadtteil. Die "Vereinigten Glaswerke" produzieren bis heute auf dem Waldhof, insbesondere in der Stolberger Straße. Die Lage der Spiegelfabrik war bereits auf einem Stadtplan von 1929 verzeichnet, und im Adressbuch desselben Jahres wurde sie als "Spiegelmanufaktur" geführt. Im Jahr 1957 wurden die Straßenbezeichnungen "Spiegelfabrik" und "Spiegelmanufaktur" offiziell eingeführt.

Nach der Gründung der Spiegelfabrik auf dem Waldhof/Luzenberg im Jahr 1853 entstand die älteste Werksiedlung in Mannheim und zählt zu den ältesten ihrer Art in Deutschland. Der Entwurf für diese Siedlung stammte vom französischen Architekten Raymond. Das Gelände, auf dem die Siedlung errichtet wurde, befand sich auf brachliegendem Land in der Käfertaler Gemarkung am rechten Rheinufer. Die Siedlung erhielt den Namen "Spiegelkolonie".

Die Siedlung umfasste 19 Wohnblöcke, die in kostengünstiger und platzsparender Reihenbauweise errichtet wurden. Zusätzlich wurden Häuser für leitende Beamte sowie eine Direktorenvilla mit einem Park gebaut. Neben einem Kindergarten, einer Schule und einer evangelischen sowie katholischen Kirche gab es auch eine ambulante Krankenstation. Anfangs war die Siedlung ausschließlich von französischen Arbeitern bewohnt, da diese aus Lothringen stammten und ihre Familien mitbrachten.

In den 1960er Jahren wurde die Siedlung größtenteils abgerissen, jedoch blieben das ehemalige Kantinengebäude, ein Beamtenhaus und ein Wohnblock aus dem Jahr 1865 erhalten. Aufgrund des drohenden Verfalls der verbliebenen Gebäude konnte dank des Engagements lokaler Politiker die Finanzierung einer Sanierung erreicht werden. Diese wurde im Jahr 2005 abgeschlossen, sodass die denkmalgeschützten Objekte heute wieder in neuem Glanz erstrahlen. Eine Gedenktafel erinnert an den berühmtesten Bewohner der Siedlung, Sepp Herberger, der hier im Jahr 1897 geboren wurde.

Weblinks


Quellen

  • Brockhaus Mannheim. Mannheim und Leipzig 2006, ISBN 3-7653-0181-7, S. 309 f.
  • Andreas Schenk: Architekturführer Mannheim. Berlin 1999. ISBN 3-496-01201-3
  • Martin Wenz: Die älteste Werksiedlung Mannheims. Vom Umbau der so genannten Spiegelkolonie in Mannheim-Luzenberg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 37. Jg. 2008, Heft 3, S. 168ff. (PDF 414 kB)