Presse 29.04.2015
Fußball: „Mannheimer Runde“ will den Regionalligisten weiter voranbringen / Erste Erfolge
SV Waldhof bastelt am Millionen-Etat
Von unserem Mitarbeiter Roland Bode
Mannheim. Das klare Ziel lautet: Rückkehr in den Profifußball. Dabei sieht Stefan Kleiber, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord und Vorsitzender der "Mannheimer Runde" (MR), den SV Waldhof auf einem guten Weg. Seit Anfang 2014 unterstützt die MR, die sich aus 115 mittelständischen Unternehmen zusammensetzt und auch für soziale Zwecke in Mannheim engagiert, den Traditionsverein. 250 000 Euro flossen bisher aus dem gemeinnützigen Verein an den SVW, um vor allem die Ausfälle des insolventen Ex-Trikotpartners Parkplan AG teilweise aufzufangen.
"Wir sind keine Fußballexperten. Unsere Idee war und ist, Waldhof in Sachen Vernetzung zur hiesigen Wirtschaft zu helfen. Das ist in den vergangenen Jahren teilweise verloren gegangen", erklärt Kleiber, der in diesem Sommer den Vorstandsvorsitz des Geldinstitutes übernimmt. Ein Ansatz, der erste Erfolge zeigt. "Wir sind auf einem guten Weg, den Etat für die folgende Saison deutlich zu erhöhen. So, dass es dem SVW möglich sein kann, einigermaßen um den Aufstieg mitzuspielen", meint Kleiber. Es sei das Ziel, Waldhof bei den dafür herausfordernden Aufgaben zu unterstützen, um so die Vision Profifußball in Mannheim mit Leben zu erfüllen. Kleiber erklärt: "Dafür ist notwendig, finanzielle Mittel durch den Mannheimer Mittelstand über einen mehrjährigen Zeitraum zu generieren - nicht nur für ein oder zwei Jahre." Ausgliederung notwendig
Genaue Zahlen wollte er noch nicht nennen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat aber gezeigt, dass die Regionalliga-Topvereine allesamt Etats im siebenstelligen Bereich zur Verfügung haben. In der aktuellen Saison arbeitet der SVW mit rund 600 000 Euro. Kleiber merkt an: "Die Umsetzung des vom Präsidium mit Unterstützung der Mannheimer Runde erstellten Konzepts steht zu 90 Prozent." Die letzten zehn Prozent seien allerdings immer die schwierigsten. Kleiber: "Wir reden hier über eine mögliche Ausgliederung des Profibereiches und die damit verbundene Umwandlung in eine GmbH, die aus unserer Sicht wohl nötig wäre."
Von dem in der Endplanung befindlichen Konzept werde abhängen, wie viele Partner den Verein unterstützen. "Es geht uns nicht um eigene Interessen oder Posten. Der SV Waldhof hatte vor allem im Mittelstand zuletzt viele Imageprobleme. Wir wollen mithelfen, für professionelle Strukturen zu sorgen. Es geht darum, Menschen zu finden, die sich mit Herzblut für das Thema Profifußball in Mannheim einsetzen und die aus der Region kommen. Im Optimalfall bringen sie ihr eigenes Netzwerk ein", stellt Kleiber klar.
All das soll mittelfristig dazu führen, dass der Waldhof dahin zurückkehrt, wo er von seiner Tradition und Fankultur her auch hingehöre: "Es ist ein persönlicher Traum von mir, irgendwann wieder Profifußball in Mannheim zu sehen. Denn diese Stadt hat ihn verdient." Der MR-Vorsitzende ist überzeugt: "Wenn der Waldhof eines Tages wieder Zweite Liga spielen würde - gegen Klubs wie Nürnberg, Braunschweig oder St. Pauli, hätte er ein riesiges Zuschauerpotenzial. Die Begeisterung für Fußball in Mannheim ist groß."
Konzentrieren sich die neuen Strukturen alleine auf den sportlichen Bereich oder sogar auf personelle Änderungen in der Geschäftsstelle? "Das ist ein anderes Thema und liegt nicht in unserem Zuständigkeitsbereich. Natürlich passieren da auch Fehler. Wichtig ist die Kommunikation und eine faire Fehlerkultur", betont der Banker. Grundsätzlich sei es wichtig - das betreffe ebenso den sportlichen Bereich - "auch etwas härtere Zeiten auszuhalten. Wenn es drei bis fünfmal keinen Sieg gibt, sollte man nicht sofort die Trainerfrage stellen". Ruhe und Seriosität ist laut Kleiber das, "was der SVW in der Außendarstellung am dringlichsten benötigt". Kleinere Pakete schnüren
Auf dem erhofften Weg zurück nach oben will sich der 48-Jährige nicht an einem Feindbild Hoffenheim abarbeiten: "Dietmar Hopp hat für den Fußball in der Region sehr viel getan. Das muss man genauso anerkennen wie auch die Tatsache, dass der SVW ohne Herrn Hopp längst vor dem Aus gestanden hätte", meint Kleiber, der aber nicht auf weitere Unterstützung des SAP-Mitbegründers hofft: "Keiner dürfte böse sein, wenn er in das angestrebte Projekt nicht selbst mit einsteigt."
Die Mannheimer Runde sieht sich dabei nicht als klassischer Sponsor. "Wir sind ein Verein, der jährlich einen sechsstelligen Betrag in soziale Projekte steckt. An dieser Philosophie werden wir festhalten. Der SV Waldhof leistet ausgezeichnete Jugendarbeit, die auch sehr viel mit Migration zu tun hat. Auch das ist für uns ein ausschlaggebender Faktor gewesen", sagt Kleiber. Es mache keinen Sinn, "nur einen großen, starken Partner zu haben. Das wäre riskant. Wir haben Sponsorenpakete für 10 000, 30 000 und 50 000 Euro geschnürt. Sollte jemand ausfallen, wäre dies leichter aufzufangen." Waldhofs Präsident Steffen Künster ist indes zuversichtlich, das Konzept schon bald verabschieden zu können: "Wir möchten das bis zum Abschluss des Geschäftsjahres am 30. Juni hinbekommen."