Presse 25.07.2015

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Herr Künster, Herr Pfitzenmeier, wie erklären Sie einem Waldhof-Fan in wenigen Sätzen, warum die Regionalliga-Mannschaft unbedingt in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden muss?

Steffen Künster: Wir wollen ein klares Zeichen für einen Neuanfang setzen . . .

Stephan Pfitzenmeier: . . . Auch psychologisch gesehen . . .

Künster: Wir setzen neue, professionelle Strukturen auf und haben dafür Leute wie Stephan Pfitzenmeier gewinnen können. Im Profifußball, und dahin wollen wir zurück, gibt es zur neuen Struktur keine Alternative mehr.

Wie schätzen Sie denn die Stimmungslage unter den Mitgliedern ein, dass die Ausgliederung wie erhofft über die Bühne geht? Der Waldhof hat da ja schon ein paar andere Versammlungen erlebt.

Künster: Die Stimmung ist insgesamt positiv. Auf jeden Fall wird die Mehrheit dafür sein, aber nach dem Umwandlungsgesetz benötigen wir 75 Prozent Zustimmung.

Gibt es denn einen Plan B bei Ablehnung?

Künster: Darüber wollen wir gar nicht nachdenken. Die Ausgliederung ist die große Chance des SV Waldhof, einen Riesenschritt in die Zukunft zu machen und endlich in der Mannheimer Wirtschaft, ja in Mannheim, anzukommen. Deshalb kann ich mir kaum vorstellen, dass es ein Großteil der Mitglieder ablehnen wird, diese riesige Chance zu nutzen. Alle wollen guten Fußball sehen und erfolgreich sein. Und wenn man sich die neue Struktur ansieht, ist es ziemlich eindeutig, dass der Verein auch in der neuen Spielbetriebs-GmbH durch die 50+1-Regel das Sagen haben wird.

Wie soll die Lösung beim Thema Aufsichtsrat aussehen?

Künster: Es wird zwei Aufsichtsräte geben, einen für die Kapitalgesellschaft, einen für den Verein. Der bisherige Aufsichtsrat hat uns beauftragt, eine Erklärung mitzubringen, in der es unter anderem heißt: "Um den Profifußball des SV Waldhof weiter nach vorne zu bringen, braucht der Verein die Unterstützung der Mannheimer Wirtschaft. Das ist bisher, abgesehen von wenigen Ausnahmen, nicht gelungen. Mit dem Engagement der Mannheimer Runde und einer neuen Struktur durch die Ausgründung einer Spielbetriebsgesellschaft würde sich die Möglichkeit ergeben, neben der finanziellen Unterstützung weiteres Vertrauen zwischen dem SV Waldhof und Unternehmen aus der Region aufzubauen." Sollte die Mitgliederversammlung den Beschluss zur Ausgliederung fassen, will der derzeitige Aufsichtsrat demnach geschlossen zurücktreten.

Ist denn mittlerweile spruchreif, wer der Investor für das erforderliche Stammkapital in Höhe von einer Million Euro sein könnte?

Künster: Wir haben ein abschließendes Gespräch gehabt. Der Investor hat klar signalisiert: Er möchte investieren, aber er möchte die Mitgliederversammlung abwarten. Die Ausgliederung ist für ihn Voraussetzung. Zum Namen werden wir aber weiterhin nichts öffentlich sagen.

Was passiert mit den alten Schulden in Höhe von rund einer Million Euro?

Künster: Hier wollen wir eine klare Regelung finden, damit die Rückführung der Altlasten gewährleistet ist. Die alten Verbindlichkeiten würden übertragen, so dass der Verein am Ende des Tages schuldenfrei dasteht.

Herr Pfitzenmeier, Sie sollen ab dem 1. August auch offiziell Geschäftsführer auf dem Alsenweg werden. Geben Sie dafür Ihren Job als Marketingchef bei den Pfitzenmeier-Fitnessstudios auf?

Pfitzenmeier: Nein, ich bleibe Repräsentant von Pfitzenmeier. Ich werde ganz grob gesagt zu 80 Prozent dem Verein zur Verfügung stehen und zu 20 Prozent für Pfitzenmeier arbeiten - und zwar schwerpunktmäßig nur bei Abend-Veranstaltungen nach 18 Uhr.

Ist denn geplant, dass Stephan Pfitzenmeier noch Unterstützung auf der Geschäftsstelle bekommt, zum Beispiel bei fußballspezifischen Fragen?

Künster: Er wird Geschäftsführer der GmbH werden. Im sportlichen Bereich wird aber noch jemand dazukommen.

Pfitzenmeier: Meine langjährige Assistentin ist schon mit im Boot als Unterstützung. Ich habe in Abstimmung mit dem Präsidium außerdem noch jemand dazugeholt, der aus dem Fußballgeschäft kommt und kompetent ist, der viele Dinge weiß, die ich noch nicht wissen kann. Er soll die Schnittstelle zwischen Geschäftsstelle und sportlichem Bereich bilden. Das ist eine sehr bekannte Persönlichkeit, aber den Namen geben wir noch nicht preis.

Und wann sehen die Fans wieder Profifußball in Mannheim?

Künster: Die Dritte Liga sollten wir innerhalb der nächsten drei Jahre schaffen.

Pfitzenmeier: Ja, einen Aufstieg sollten wir in diesem Zeitraum schon hinbekommen. Wir machen das alles ja nicht, um in der Regionalliga zu bleiben. In Mannheim und Umgebung ist das Potenzial für einen Zweitligisten da.

Und was ist in dieser Saison drin?

Künster: Das ist Glaskugel-Schauen. Etatmäßig liegen wir nicht im oberen Drittel. Aber wir haben eine sehr gute Mannschaft, die Kombination aus guten jungen Spielern und erfahrenen Leuten wie Hanno Balitsch und Michael Fink lässt uns schon auf eine Platzierung im oberen Drittel hoffen.

Befürchten Sie, dass Trainer Kenan Kocak mit der Fußballlehrer-Lizenz nach Höherem streben könnte?

Künster (lacht): Er strebt nach Höherem - mit dem SVW! Er hat einen unheimlichen Ehrgeiz, er will nach oben. Das macht ihn auch aus.

Pfitzenmeier: Er kann sich mit unseren Zielen voll identifizieren. Das ist auch Kenans Zukunftsausrichtung.


Interview: Alexander Müller und Jürgen Berger

Quelle: Mannheimer Morgen – 25.07.2015