Interview mit Selim Teber am 1. November 2001
Selim Teber
Nach außen wirkt Selim Teber ruhig, zurückhaltend und als kein Freund lauter Töne. Mit seinen 20 Jahren hat er sich bereits erfüllt, wovon die große Fußballmasse in seinem Alter (oder darunter) meist nur träumt. Denn schon 28 Mal durfte sich der in Frankenthal geborene Mittelfeldspieler türkischer Herkunft den DFB-Nationaldress in der U18- und U20-Auswahl überstreifen. Seit Frühjahr 2000 besitzt Teber einen deutschen Pass. Und ohne Frage zählt er zu den Hoffnungsträgern in Reihen des SVW-Nachwuchses. Im folgenden Interview verrät der Hobby-Billardspieler unter anderem, wie er über seine fußballerische Zukunft und seine Rolle beim SV Waldhof denkt.
Selim Teber, zu Beginn der Runde musstest du dich häufig mit der Rolle des Reservisten begnügen. In den letzten Spielen scheint bei dir der Knoten geplatzt zu sein. Gibt es dafür eine Erklärung?
Selim Teber: Ich traue mir inzwischen wieder mehr zu. Auf der jetzigen Position im zentralen Mittelfeld fühle ich mich wohler, weil man einfach mehr Bälle bekommt als auf der rechten Seite. Es ist einfacher für mich, wenn ich den Ball bekomme und mit ihm etwas anfangen kann, als nur die Linie entlang zu laufen. Was den Saisonstart anbetrifft darf man nicht vergessen, dass ich die Vorbereitung wegen der U20-WM in Argentinien praktisch verpasst habe. Dann die tolle Leistung der Mannschaft beim Auftakt in Saarbrücken. Da war es schwer mich in den Stammkader zu kommen.
Du bist vom Typ eher ein ruhigerer Vertreter. Ist es nicht in der jetzigen Schlüsselposition unheimlich wichtig zu kommunizieren, um die Mitspieler entsprechend einzusetzen?
Selim Teber: Ich habe mit der Verantwortung in zentraler Position überhaupt kein Problem. Das hat auch nichts mit Alter und Erfahrung zu tun. Verantwortung heißt für mich bereit für etwas zu sein: Und ich bin bereit. Die Verständigung läuft gut.
Du bist wie Christian Fickert Junioren-Nationalspieler. Da liegt die Frage auf der Hand: Denkst du schon in irgendeiner Form an die WM 2006 in Deutschland?
Selim Teber: Im Moment zählt für mich nur die Mannschaft, dass wir schnell unten raus kommen und ich dabei möglichst eine gute Rolle spielen kann. Alles andere ist noch sehr weit weg.
Wie siehst du denn die momentane Nachwuchsarbeit beim DFB generell?
Selim Teber: Ich denke, dass Fußball bei den jungen Spielern hier nicht mehr alleine im Mittelpunkt steht. Es gibt zu viele Sachen, die sie zusätzlich machen können. Basketball, die ganzen Trendsportarten, zu Hause auf dem PC rumklimpern... Es gibt kaum noch Straßenfußball wie in anderen Ländern. Dadurch gehen, denke ich, viele Talente verloren. Die meisten gehen heute eher den Weg des geringsten Widerstandes. Trotzdem glaube ich, dass wir einige junge Spieler besitzen, zum Beispiel in der ersten Bundesliga. Allerdings kommen die meisten noch nicht so zum Zug, wie erforderlich.
Stichwort erste Bundesliga: Dein Vertrag beim SV Waldhof läuft nach der Saison aus
Selim Teber: Über diese Dinge mache ich mir momentan gar keine Gedanken. Für mich gilt einzig, jetzt gut zu spielen und der Mannschaft weiter zu helfen. Alles andere wird sich im Laufe der Zeit zeigen. Natürlich ist die erste Liga irgendwann mein Ziel.
Vom Stadionmagazin Ausgabe 8. Spieltag Saison 2001/2002
