Cristiano Lucarelli
| Cristiano Lucarelli | ||
| Spielerinformationen | ||
|---|---|---|
| Voller Name | Cristiano Lucarelli | |
| Geburtstag | 4. Oktober 1975 | |
| Geburtsort | Livorno, Italien | |
| Größe | 188 cm | |
| Position | Stürmer | |
| Vereinsinformationen | FC Parma | |
| Trikotnummer | 9 | |
| Vereine in der Jugend | ||
| 1981–1988 1988–1992 1992–1993 |
Carli Salviano Armando Picchi Calcio Cuoiopelli | |
| Vereine als Aktiver | ||
| Jahre | Verein | Spiele (Tore)1 |
| 1993–1995 1995–1996 1996–1997 1997–1998 1998–1999 1999–2001 2001–2003 2003–2007 2007 01/08– |
AC Perugia Cosenza Calcio Padova Calcio Atalanta Bergamo FC Valencia US Lecce AC Turin AS Livorno Schachtar Donezk FC Parma |
7 (0) 32 (15) 34 (18) 26 (5) 13 (1) 59 (26) 55 (10) 146 (92) 12 (4) 13 (3) |
| Nationalmannschaft2 | ||
| 1996 1996–1997 2005– |
Ital. Olympiaauswahl Italien U-21 Italien |
2 (0) 10 (10) 6 (3) |
|
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele. | ||
Cristiano Lucarelli (* 4. Oktober 1975 in Livorno, Italien) ist ein italienischer Fußballspieler. Der Stürmer steht seit Januar 2008 beim FC Parma unter Vertrag.
Inhaltsverzeichnis
Karriere
Vereine
Jugend (1981–1992)
Lucarellis Vereinskarrie begann bereits im Alter von sechs Jahren bei Carli Salviano, wo er sieben Jahre lang spielte. Danach ging er zu einem besser organisierten Klub, Armando Picchi Calcio, wo er vier Jahre lang aktiv war. Mit 17 Jahren ging er zu Cuoiopelli, dort erzielte er fünf Tore in 28 Spielen in der Amateursmeisterschaft. [1]
Zeit als Wandervogel (1992–2003)
Cristiano Lucarellis Profikarriere begann allerdings in der Serie B bei der AC Perugia, wo er in zwei Jahren nur sieben Pflichtspiele bestritt. [1] Nach zwei Jahren ging er 1996 zum Serie-B-Konkurrenten AS Cosenza Calcio, bei der er 15 Tore in 32 Spielen erzielte. Im selben Jahr war Lucarelli Mitglied der italienischen Fußballolympiaauswahl bei den Olympischen Sommerspielen 1996.[2] Anschließend wechselte Lucarelli erneut, diesmal zu Calcio Padova (ebenfalls Serie B), wo er mit 18 Toren in 34 Spielen ebenfalls eine gute Trefferquote aufweisen konnte. 1997 kam er dann endlich zu einem Serie-A-Verein, zu Atalanta Bergamo, wo er allerdings aufgrund von Verletzungen nur fünf Tore in 28 Spielen erzielen konnte.[2]
Lucarelli galt bis dahin lange als ewiges Talent und hoffte auf den großen Durchbruch. Daher, aber auch aufgrund der politischen Anfeindungen, die ihm nach seinem Jubel in einem U-21-Spiel widerfuhren, wechselte er im Sommer 1998 sogar in die Primera División zum FC Valencia.[3] Doch in dieser Saison war er vom Pech verfolgt und kam in zwölf Spielen nur auf ein Tor. Auch wenn die Saison für Lucarelli mit dem Gewinn des UEFA Intertoto Cups gut begann, wurde er im späteren Verlauf oft durch Verletzungen zurückgeworfen.[4] Nach diesem misslungenem Engagement bei Valencia wechselte er zurück in die Serie A zu Lecce, wo er seine Form wieder fand, so dass er in den zwei Spielzeiten bei Lecce 27 Tore schoss.
In der Saison 2001/2002 wechselte der Wandervogel dann zur AC Turin, wo er allerdings wieder in eine Formkrise fiel und in zwei Saisons nur zehn Treffer erzielte. Überrascht waren die Vereinsoffiziellen, als Lucarelli aus Eigeninitative sein Gehalt kürzte, da er sich als überbezahlt ansah.[5]
AS Livorno (2003–2007)
Nachdem Livorno in der Saison 2002/03 den Aufstieg in die zweite Liga Serie B geschafft hatte, wechselte Lucarelli von seinem damaligen Club AC Turin unter Verzicht auf etwa 500.000 Euro Jahresgehalt nach Livorno. „Das ewige Talent rennt zurück zu seiner Mama!“, titelte damals eine italienische Zeitung, und warf dem damals 28-jährigen mangelnden Durchsetzungswillen vor.[6]
Dennoch war es Lucarelli, der mit seinen 29 Toren in 41 Spielen maßgeblich am Aufstieg der AS Livorno in die Serie A beteiligt war. Gleich in seiner ersten Serie-A-Spielzeit mit Livorno wurde Lucarelli mit 24 Toren in 35 Spielen Torschützenkönig. Für diese Leistung erhielt er auch die Auszeichnung "Sportler des Jahres in der Toskana 2005". Weiterhin geblieben ist die enge Verbundenheit zu seinem Verein. So hat sich Lucarelli das Emblem des Vereins auf den linken Unterarm tätowiert.
Er blieb seiner Philosophie, für sein Team auf Geld zu verzichten, treu und lehnte 2006 eine lukrative Offerte des Zenit St. Petersburg mit dem Worten, "es gibt Fußballer, die sich für eine Milliarde einen Ferrari oder eine Yacht kaufen, ich kaufe mir dafür ein Livorno-Shirt - das ist alles", ab.
Auch in der Saison 2006/2007 war Lucarelli sehr erfolgreich, er erzielte sein insgesamt 100. Serie-A-Tor und erzielte während dieser Saison insgesamt 20 Tore, wodurch er entscheidenden Anteil am Klassenerhalt Livornos hatte. Dennoch wird diese Saison wohl seine vorerst letzte im Dress vom AS Livorno gewesen sein.
Schachtar Donezk (2007)
Nach Dissonanzen mit der Vereinsführung und den Fans entschied sich Lucarelli zu Schachtar Donezk zu gehen, wo er einen lukrativen Dreijahresvertrag, der ihm jährlich 4 Millionen Euro bringt, unterschrieb. Donezk erhielt für etwa 8 Millionen Euro den Zuschlag und setzte sich damit gegen die anderen westeuropäischen Interessenten durch. Lucarelli ist damit der erste Italiener überhaupt, der den Sprung in die Ukraine wagt.[7] Die Empörung der Fans über seinen Wechsel war groß, war doch Lucarelli, wie die Fans glaubten, einer der wenigen Sportler, die der Verlockung des Geldes zu widerstehen schienen. Nach seinem Wechsel wurde seine Website mit erbosten Kommentaren regelrecht torpediert.
Lucarelli rief sogleich eine Pressekonferenz ein, in der er die Gründe für seinen Wechsel bekannt gab: "Ich will nicht leugnen, dass Geld der Hauptgrund für meinen Wechsel ist.[8] und dazu, warum er gerade zu Donezk ging sagt er: "Es musste ein ausländischer Verein, da ich nicht zu einem italienischen Verein gehen wollte und damit die Livorno-Fans betrogen hätte."[9]. Lucarelli hat sich als Ziel genommen eine Zeitung in Livorno zu gründen und damit: "Arbeit zu schaffen für Menschen, die gut bezahlt werden und nicht ausgebeutet werden."[5]
Bei Donezk hatte Lucarelli wenig Erfolg und kam nur sporadisch als Joker zum Einsatz, was anfangs allerdings auch durch seinen Trainingsrückstand bedingt war. Nachdem Donezk dann auch noch aus der Champions-League ausgeschieden war, forcierte Lucarelli eine Rückkehr nach Italien. Lucarelli traf zwar in sechs Champions-League-Einsätzen drei mal, konnte sich aber mit dem ukrainischen Ligaalltag nicht anfreunden.
FC Parma (2008–)
Folgerichtig wechselte Lucarelli im Januar 2008 für 5,7 Millionen Euro zum FC Parma. Der bis 2010 laufende Vertrag bringt Lucarelli jährlich 1,5 Millionen Euro auf sein Konto, was jährlich etwa 2,5 Millionen Euro weniger sind als er bei Donezk verdient hätte. [10] Lucarelli glaubt, dass der Wechsel zu Parma die beste Wahl war, die er hat machen können, und er erhofft sich durch gute Spiele beim FC Parma auch wieder für das Aufgebot der italienischen Nationalmannschaft für die EURO 2008 zu empfehlen. [11]
Nationalmannschaft
Als Anerkennung für seine respektable Torquote - er schoss davor in zwei Jahren 49 Ligatore - lud ihn Marcello Lippi zu einer Reise der Nationalmannschaft in die USA und nach Kanada ein, wo er im Juni 2005 seine ersten beiden Länderspiele bestritt und dabei gegen Serbien und Montenegro ein Tor erzielte. Trotz seiner Erfolge in den beiden Spielzeiten 2004/05 und 2005/06, in denen Lucarelli insgesamt 43 Treffer in der Serie A erzielte, wurde der bekennende Kommunist nicht für das italienische Aufgebot bei der WM 2006 berücksichtigt.
Roberto Donadoni, Italiens Trainer, berief Lucarelli nach der WM 2006 in den Kader zu einem Freundschaftsspiel gegen Kroatien und zu zwei EM-Qualifikationsspielen gegen die Färöer-Inseln und Litauen, wo er zweimal erst spät und einmal gar nicht eingewechselt wurde.
Lucarelli ist mit dieser Situation nicht glücklich, aber kann sie auch nachvollziehen: "Betrachtet man meine Statistiken über die letzten vier Jahre, brauche ich mich vor anderen Stürmern bestimmt nicht zu verstecken. Mit meinen rekordverdächtigen 102 Toren in dieser Zeit hätte ich wohl mehr Einsätze in der Nationalmannschaft verdient. Es sind wohl die politischen Umstände, die mehr Länderspieleinsätze verhindern."
Auszeichnungen
Serie-A-Torschützenkönig: 2004/05
Verbundenheit zu Livorno
Lucarelli besuchte bereits mit anderthalb Jahren ein Spiel der AS Livorno.[12] Auch in seiner Jugend sollte er weiterhin Tifoso seines nur in der Serie C1 spielenden Heimatvereins bleiben. Als er dann selber bei Livorno spielte (2003-2007), wurde er durch seine vielen Tore und Treueschwüre zur AS Livorno schnell zu dem Liebling der Fans, die ihn vor jedem Spiel frenetisch mit Sprechhören feierten. Das Livorno-Trikot mit seiner Nummer 99 war fast immer ausverkauft.
Sein Heldenstatus, den er in Livorno unzweifelhaft besitzt, so ist seine Biographie "Behaltet eure Millionen" nach wie vor Pflichtlektüre in Livornos Schulen, kam allerdings durch den plötzlichen Wechsel zu Schachtar Donezk ins Wanken. Doch Lucarelli schließt nicht aus eines Tages zur AS zurückzukehren. Ferner ist seine Verbundheit zu seinem Heimatverein nach wie vor groß, er trägt noch immer die Nummer 99 in Donezk und ein Tattoo auf dem linken Oberarm, das ein Emblem der AS Livorno zeigt.
Im Jahre 2007 investierte Christiano Lucarelli 2.000.000 Euro in das Projekt einer neuen unabhängigen Lokalzeitung. Die erste Ausgabe des Corriere di Livorno erschien am 9. September 2007. Lucarelli ist Präsident des Verwaltungsrates[13].
Politische Haltung
Da Lucarelli wiederholt seine Tore mit der kommunistischen Faust bejubelte, wurde er vom Italienischen Fußballverband zu 30.000 EUR Strafe verurteilt - deutlich mehr als Paolo Di Canio für seinen faschistischen Gruß zahlen musste. Diese politische Haltung Lucarellis war es auch, die ihm beinahe gänzlich die Nationalmannschaftskarriere verhindert hätte, so machte er sich bei der Führungsetage des italienischen Fußballverbandes in einem U21-Spiel unbeliebt, als er nach einem Tor sein Trikot auszog und darunter auf dem T-Shirt ein Konterfei von Che Guevara zu sehen war. Lucarelli traf sich im Sommer 2005 mit der Tochter Guevaras, Aleida Guevara, wo man einen möglichen Trip der AS Livorno nach Kuba besprach, der allerdings nie zu Stande kam.
Er identifiziert sich zudem stark mit den antifaschistischen Ultras der Brigate Autonome Livornesi, deren Gründungsjahr 1999 er als Trikotnummer (99) trägt. Nachdem diese nach einer Straßenschlacht im Frühjahr 2005 mit rechtsradikalen Fans von Lazio Rom kollektiv festgenommen wurden, spendierte Lucarelli drei Busse für die Rückfahrt aus der Haft in Rom.
Sonstiges
- Sein Bruder Alessandro ist ebenfalls Fußballer und spielt in der Serie A bei Reggina. In der Saison 2004/2005 spielten beide zusammen beim AS Livorno.
Literatur
- Birgit Schönau: Mit links. Warum der italienische Fußballstürmer Cristiano Lucarelli nach seinen Toren den kommunistischen Gruß macht, in: DIE ZEIT Nr.30 vom 21. Juli 2005 [1]
- Dirk Schümer: Aufgeblüht wie ein Bolschewik beim Klassenkampf, in: F.A.Z., 12. Januar 2006, Nr. 10 / Seite 31 [2]
- Damiano Valgolio: Linksaußen im Sturm, in: taz vom 30. Dezember 2005, S. 15 [3]
- Silvio, wir kommen, in: 11 Freunde, Dezember 2004 (Nr. 40); wiederabgedruckt in: 11 Freunde-Leseprobe, Winter 2005, S. 24 ff.
Weblinks
- Offizielle Website Cristiano Lucarellis
- Cristiano Lucarelli in der Datenbank von Fussballdaten.de
- Spielerprofil bei Yahoo Sport
- Kommunist, Zeitungsverleger, Fußballprofi Artikel der Sueddeutschen Zeitung
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 cristianolucarelli.com: Die frühen Meisterschaften (englisch)
- ↑ 2,0 2,1 cristianolucarelli.com: Von der Serie B zur Serie A (englisch)
- ↑ cristianolucarelli.com: U21-Nationalmannschaft und Spanien (englisch)
- ↑ cristianolucarelli.com: Valencia und Rückkehr nach Italien (englisch)
- ↑ 5,0 5,1 derStandard.at: Der rote Stürmer des reichen Barons, 13.08.2007
- ↑ goal.com:Cristiano Lucarelli: Der linke Rechtsfuß, 02.06.2007
- ↑ uefa.com: Shakhtar holt Lucarelli, 13.07.2007
- ↑ sport1.at: Auch du, Genosse Lucarelli!?, 15.08.2007
- ↑ uefa.com: Lucarelli ready to dazzle Donetsk (englisch), 18.07.2007
- ↑ derStandard.at: Lucarelli wieder in Italien, 15.01.2008
- ↑ goal.com: Parma A Great Professional Choice - Lucarelli, 15.01.2008
- ↑ cristianolucarelli.com: My childhood (englisch)
- ↑ corrieredilivorno.it: Chi siamo (italienisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lucarelli, Cristiano |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Fußballspieler |
| GEBURTSDATUM | 4. Oktober 1975 |
| GEBURTSORT | Livorno |
ar:كريستيانو لوكاريلي ca:Cristiano Lucarelli da:Cristiano Lucarelli en:Cristiano Lucarelli es:Cristiano Lucarelli fi:Cristiano Lucarelli fr:Cristiano Lucarelli hu:Cristiano Lucarelli id:Cristiano Lucarelli it:Cristiano Lucarelli ja:クリスティアーノ・ルカレッリ nl:Cristiano Lucarelli no:Cristiano Lucarelli pl:Cristiano Lucarelli pt:Cristiano Lucarelli ru:Лукарелли, Кристиано sv:Cristiano Lucarelli uk:Лукареллі Крістіано zh:基斯坦奴·盧卡利尼