Interview mit Achim Hollerieth am 25 September 2001
Achim Hollerieth
Es klingt paradox - und dennoch: Eigentlich startete Achim Hollerieth seine Fußball-Karriere als Mittelstürmer mit dem Ziel, möglichst viele Tore zu schießen. Das war noch bis zu seinem 16. Lebensjahr so. In der Jugend beim FC Ostrach und SC Pfullendorf ließ es die heutige Nummer "1" im Mannheimer Gehäuse (persönlicher Rekord 25 Saison-Tore) kräftig krachen. Erst eine Verlegenheitssituation brachte ihn zwischen die Pfosten. Im folgenden Interview erklärt der sympathische Schwabe, wie sich seine Laufbahn in nur wenigen Stunden grundlegend veränderte.
Achim, du spielst die zweite Saison in Mannheim. Hast du dich inzwischen gut eingelebt?
Achim Hollerieth: Ja, sehr gut. Die Mannschaft hat mich seinerzeit sehr gut aufgenommen. Wie überhaupt jeder Neue ohne Probleme schnell integriert wird.
In den vergangenen Tagen wurde in den Medien viel über einen Trainerwechsel spekuliert. Wie weit beschäftigt einen so etwas als Spieler?
Achim Hollerieth: Nicht so sehr. Ich erinnere mich an mein letztes Jahr in Uerdingen. Da hatten wir in einer Saison vier Trainer. Das Fußballgeschäft ist eben ein Kommen und Gehen. So lange nur spekuliert wird, ist es nicht so dramatisch. Man versucht auf dem Platz einfach sein Bestes zu geben.
Als Torhüter hat man auf dem Rasen eine besondere Verantwortung. Kleine Fehler können sofort Punkte kosten. Wolltest du immer Torwart sein?
Achim Hollerieth: Bei mir war das ganz kurios. Ich stehe erst seit der A-Jugend im Tor. Wir hatten mit der B-Jugend in Pfullendorf ein Pokal-Halbfinale, aber alle Torhüter von uns waren verletzt. Da hat der Trainer uns Feldspieler gefragt: "Wer von Euch traut sich das zu?" Ich hab's dann gemacht. Wirklich - die Gegner haben mich über 90 Minuten immer nur "angeschossen". Wir haben fast schon gelacht darüber. Ich war bis dorthin immer nur Mittelstürmer. Zwei Wochen später, als unsere eigentliche Nummer eins wieder gesund war, sagte mir mein Trainer Eugen Fischer: "Junge, wenn Du im Fußball was werden willst, bleib im Tor". Und so blieb ich im Tor. An meinen Wänden hingen aber schon damals überall Poster von meinem Vorbild "Toni" Schumacher. Den Pokal haben wir übrigens gewonnen...
Bereust du diese Entscheidung?
Achim Hollerieth: Nein, es gibt überhaupt nichts größeres als Torwart zu sein. Dieser schmale Grat, mal der "Depp", mal der "Held" sein zu können, gibt mir den "Kick", den ich als Fußballer brauche.
Wie gehst du mit dieser Verantwortung auf dem Platz um?
Achim Hollerieth: Jeder auf dem Platz hat für seinen Bereich Verantwortung. Stürmer sollen Tore schießen, Abwehrspieler und Torhüter sie verhindern. Mein wichtigstes Ziel sind immer drei Punkte, das ist das A und O. Ich gewinne lieber 5:4, als dass ich mit einem 0:0 meinen Kasten sauber halte.
Wie verkraftest du eigene Patzer?
Achim Hollerieth: Jedes Gegentor, ob im Training oder gegen einen Kreisligisten, ist für mich eine persönliche Niederlage. Das ärgert mich maßlos. Aber im Spiel muss man so etwas sofort abhaken, sonst ist man abgelenkt. Danach, im Bus zum Beispiel, telefoniere ich meist mit meinem Vater oder meiner Freundin. Das hilft schon. Es klingt zwar eigenartig, aber jedes Gegentor ist auch so etwas wie zusätzliche Motivation für mich.
Eine letzte Frage: Du trainierst im Wesentlichen mit Walter Pradt. Was fällt dir spontan zum Torwarttrainer des SVW Mannheim ein?
Achim Hollerieth: Walter Pradt ist ein echtes Phänomen. Ich glaube außer Cheftrainer und Präsident hat er beim SV Waldhof schon alles gemacht. Er ist für mich persönlich sehr wichtig, weil er selbst ein hervorragender Torhüter war und weiß, wie wir in bestimmten Situationen denken. Er ist eine große Hilfe für mich. Daran besteht überhaupt kein Zweifel.
Vom Stadionmagazin Ausgabe 8. Spieltag Saison 2001/2002
